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Seglertag wälzt große und kleine Erfolge wie Probleme

seglertag2016
Geordnete Finanzen, stabile Mitgliederzahlen, ein wiedergewählter Vorstand und ein Segler aus dem Verband bei Olympia – besser könnte es um den Landes-Segler-Verband Baden-Württemberg kaum stehen. Doch das „Teufele“ sitzt im Detail, wie sich beim Seglertag am 19. März zeigte.

Seglertage des Verbandes am Bodensee sind naturgemäß immer gut besucht. Das neue Clubhaus des gastgebenden Württembergischen Yacht-Clubs zog besonders viele Delegierte nach Friedrichshafen-Seemoos. Bei über 50 Teilnehmern war der separate Clubraum schon fast wieder zu klein.


LSV-Vorsitzender Reinhard Heinl berichtete von landesweit rund 200 Mitgliedern mehr in den Verbandsvereinen (24017 Mitglieder in 141 Vereinen) als im Vorjahr. Doch der Altersdurchschnitt steige kontinuierlich an, warnte er. Die großen Brennpunkte der Verbandspolitik schlummern derzeit eher. Heinl beobachtet aber, dass überall, wo am Bodensee jahrzehntelang funktionierende Praxis immer dann in Bedrängnis kommt, wenn die drei Anrainerstaaten ein Thema regulieren wollen – wie jüngst beim Funkverkehr. „Wer gehofft hatte, dass in der ‚Regio Bodensee’ ein Zusammenarbeiten auf jedem Gebiet erfolge sieht mit Sorge das Gegenteil: Es driftet enorm auseinander!“

Solidarität bekundete Heinl mit den Bodenseefischern. Das Vorgehen ausschlaggebender Organisationen, den Bodensee zu einem Alpensee mit einem extrem niedrigen Phosphatgehalt von unter sechs Milligramm pro Kubikmeter zu machen, habe den Planktongehalt drastisch reduziert. „Die Fische verhungern schlichtweg!“ Der Jahrhunderte alte Berufsstand der Fischer werde so wissentlich vernichtet. „Völlig abwegig ist auch die Begründung, das erfordere die europäische Vorgabe zur Trinkwasserqualität“, so Heinl

Von der Seglerjugend wurde Fabian Bach Anfang Februar für eine dritte und letzte (dreijährige) Amtszeit als Jugendobmann gewählt. Die Mitgliederversammlung bestätigte dies satzungsgemäß. Bach informierte über eine am 11. Juni in Überlingen geplante Informationsveranstaltung zum Thema Sportversicherung. Denn eine solche ist für jedes Mitglied im Verbandsbeitrag enthalten. Insbesondere in der Jugendarbeit sei es wissenswert, was da alles versichert sei, so Bach. Er sprach sich vehement gegen das Vorhaben einer Junioren-Bundesliga aus, da diese in das Jugendkonzept des DSV eingreife: „Es kann nicht unser Vorteil sein, wenn dieses Konzept so umgesetzt wird!“ Auch den in der Kieler Olympiabewerbungs-Euphorie vom DSV beschlossenen Teil-Umzug an die Ostsee sieht man im Südwesten kritisch. Bach fürchtet dadurch „eklatante Einschnitte in den Jugend-Etat“.

Über die Qualifikation von Toni Wilhelm für Rio 2016 in der Surf-Disziplin freute sich Hartmut Desiderato, Obmann für Talent- und Leistungsförderung. „Toni hat einen riesigen Erfahrungsschatz, das kann für Rio entscheidend sein“, verwies Desiderato auf Wilhelms zwei vorausgehende Olympiateilnahmen. Den derzeitigen Landeskader sieht Desiderato eher „eng aufgestellt“, entsprechend einer Aufbauphase. Der langjährige Talent-Scout des LSV sprach ein immer größer werdendes Problem offen an. Wer von der Nachwuchsförderung im Land den Einstieg in die Leistungsförderung, den C-Kader, auf Bundesebene schaffe, müsse nach den derzeitigen Kriterien des Deutschen Segler-Verbands nach Kiel umziehen. „Nicht jeder ist bereit seinen Lebensmittelpunkt nach Kiel zu verlegen“, bezog Desiderato offen Stellung gegen den DSV. Manchmal sprächen auch persönliche Gründe dagegen. In Kiel wohnen oder Rausschmiss aus dem Kader – das könne angesichts sowieso weltweit stattfindender Regatten und Trainingsmaßnahmen nicht die Alternative sein. Im Gegenteil, das fördere geradezu den Absprung von Talenten!

„Wir werden daher den DSV nunmehr unmissverständlich auffordern, dieses rigorose Konzept fallen zu lassen“, bestätigte Heinl den schwelenden Konflikt. Auch der Bayerische Segler-Verband stehe auf diesem Standpunkt. Mit den Nachbarn organisiert der LSV seit Jahren gemeinsame Trainings, überwiegend am Gardasee oder am Mittelmeer. Und nicht zuletzt funktioniert der vor zwei Jahren in Seemoos eingerichtete „Bundesstützpunkt Nachwuchs Süd“ ausgezeichnet. Zu bedenken gab man, dass schließlich schon bei mehreren Olympischen Spielen die besten Ergebnisse von den Seglern aus den beiden Ländern im Süden erzielt worden seien.

„Leistungssegler sind in der Regel hervorragende Schüler“, stellte Tilo Schnekenburger fest. Bei Unterrichtsbefreiungen brauche man also kein schlechtes Gewissen zu haben. Der Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ sei daher ideal, damit Schulen ihr Profil schärfen. Am Mittwoch, dem 8. Juni, werde nunmehr dritte Landesfinale in Radolfzell stattfinden. Je drei Kinder segeln im Optimisten in einer Mannschaft. Auch die Opti-Liga werde nach dem großen Erfolg im Vorjahr vom Untersee auf den Obersee (Meersburg bis Kressbronn) ausgedehnt, informierte Fabian Bach.

Das Budget für 2016 sieht nach einem überdurchschnittlichen Plus im Vorjahr wieder ein Abschmelzen des Bestands vor. Der Kauf eines Motorboots als Ersatz für ein altes Modell ist die Ursache. Die Delegierten stimmten dem ebenso zu wie unveränderten Beiträgen.

Der nächste Seglertag wurde auf den 25. März 2017 terminiert, voraussichtlich am Rhein.

Ekke Diesch – am Tag zuvor noch Präsident des gastgebenden WYC, nun Ehrenvorsitzender desselben – führte die Entlastung des Vorstands sowie die Wahl des Vorsitzenden durch. Einstimmig wurde Reinhard Heinl zum zwölften – und letzten Mal einstimmig als Vorsitzender gewählt. Schon seit 1994 steht er an der Spitze des Verbandes. „2018 werde ich nicht mehr kandidieren“, kündigte Heinl an. Auch die anderen Mitglieder des Vorstandes wie Beisitzer wurden weitgehend wieder gewählt. Als Beisitzer für den Sportbund Baden-Süd wurde Wieland Schelkes vom Schluchsee als Nachfolger von Hartmut Debelius gewählt.

Vom Württembergischen Landessportbund wurde Heinl für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Werner Orth steckte ihm das Ehrenzeichen an und überreichte einen kleinen Karton Wein.

Bilder und Text V. Göbner

Nachtrag

Mittlerweile hat sich der Ruderclub Rastatt bereit erklärt, den nächsten Seglertag auszurichten. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an den RC Rastatt! Somit findet der Seglertag 2017 am 25.3.2017 beim Ruderclub Rastatt statt.

Martina Häuser / Geschäftsstelle

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